Lexikon Brautschleier

Ursprünglich stand der Schleier für die Jungfräulichkeit der Braut. Er war auch der einzige weiße Bestandteil der Hochzeitsgarderobe, da im bäuerlichen Umfeld in der Sonntagsgarderobe geheiratet wurde, die traditionell schwarz war. Das Brautkleid wurde erst viel später weiß.

Da um Mitternacht die Braut keine Braut mehr ist, wird ihr der Schleier abgenommen. Diesen Brauch gibt es bis heute in vielen verschiedenen Varianten.

So erfolgt oft der sog. Schleiertanz. Hierbei tanzt die Braut alleine und alle unverheirateten Frauen versuchen ein Stück vom Schleier abzureißen. Wem es beim letzten Tanz gelingt, ein Stück des Schleiers „abzutanzen“, der ist nach altem Aberglauben die nächste Braut.

Bei einer anderen Variante tanzen Braut und Bräutigam unter dem Schleier, der von den Trauzeugen gehalten wird. Möchte ein anderer Mann mit der Braut tanzen, muß er oben in den Schleier einen kleinen Obolus werfen. Der Bräutigam muß sich das bunte Treiben solange anschauen, bis er selbst seine Braut mit einem Obolus auslöst.